Niedersachsen war eines der Hauptaufnahmeländer der Flüchtlinge und Vertriebenen. Von den 12 Millionen Vertriebenen aus dem Osten wurden bis 1949 etwa 1,8 Millionen aufgenommen – dies entsprach einem Viertel der bisherigen Bevölkerung. Auch Stadt und Kreis Lüneburg verzeichneten einen enormen Bevölkerungszuwachs.
Auch bei der Flüchtlingszuteilung wurde Niedersachsen besonders stark herangezogen: Im weitgehend ländlichen Raum gab es eine bessere Lebensmittelversorgung, und auch die Wohnraumsituation war aufgrund der intakt gebliebenen Infrastruktur weniger katastrophal als in den kriegszerstörten Städten. Da viele Flüchtlinge nicht in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) bleiben wollten, war der Regierungsbezirk Lüneburg mit seiner 563 Kilometer langen Grenze zur SBZ einer nicht kontrollierbaren Einwanderung ausgesetzt. Hinzu kamen die in Schleswig-Holstein auf Umverteilung wartenden Ostseeflüchtlinge.
Die Aufnahme der Flüchtlingsmassen war gerade anfänglich durch Hilfsbereitschaft, aber auch durch Ablehnung begleitet. Das Zusammenwachsen bedurfte Jahrzehnte, jedoch verschwanden seit den 1970er Jahren zunehmend die Unterschiede. Herkunft spielte eine immer geringer werdende Rolle.
Abbildungen:
1.) Der Regierungsbezirk Lüneburg am 1. Mai 1946: Total 528.000 Einwohner, davon 374.000 Flüchtlinge, davon wiederum 192.000 aus dem Osten wie Ostpreußen, Schlesier, Pommern und Balten, der Rest ausgebombte Großstädter, ehemalige Zwangsarbeiter und Zonenflüchtlinge
2.) Der Landkreis Lüneburg 1956: Einwohner total 67.063, davon 23.468 Vertriebene, davon wiederum 6.782 Ostpreußen
3.) Lüneburg 1950: Total 60.000, davon 37.000 Zahl der Bewohner 1939. Die Bevölkerungszahl war durch den Zuzug der Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Osten um ein Drittel gewachsen. "Klein-Ostpreußen" in der Lüneburger Heide war damals ein geflügeltes Wort.
Auch der Landkreis und die Stadt Lüneburg verzeichneten nach dem Krieg einen enormen Bevölkerungszuwachs. Im Jahre 1956 betrug die Einwohnerzahl des Landkreises 67.063. Zu den 35.085 Alteingesessenen kamen 23.468 Vertriebene, davon stammten allein 6.782 Ostpreußen.