Von der schwedischen zur russischen Vorherrschaft an der Ostsee

Nachdem Schweden 1621 auch Livland und 1645 Ösel erobert hatte, erhielt die deutsche Selbstverwaltung neue Strukturen. 1632 stiftete Gustav II. Adolf die Universität Dorpat. Ende des 17. Jahrhunderts zog die schwedische Krone zur Haushaltssanierung zahlreiche Rittergüter ein und schwächte so den Adel („Güter-Reduktion“). Gleichzeitig schufen deutsche Pastoren die Grundlagen für ein Schulwesen der Landbevölkerung und eine estnische und lettische Schriftsprache.

Im Großen Nordischen Krieg (1700-1721) verlor Schweden unter Karl XII. seine Vormachtstellung an Russland. Die belagerte und von der Pest heimgesuchte Stadt Riga ergab sich ebenso wie Reval dem Zaren Peter I., Livland und Estland wurden – wie 1795 auch Kurland – autonome russische Gouvernements. In den „Kapitulationen“ von 1710 gewährte der Zar den Ritterschaften und Städten Privilegien, die für zwei Jahrhunderte den Fortbestand der deutschen Selbstverwaltung in Livland, Estland und Kurland ermöglichten.

Abbildung:
Peter I., Ölgemälde von Jean-Marc Nattier. Ermitage St. Petersburg