Der Kampf um die Provinz hatte fast 2.000 Dörfer und knapp 40 Städte Ostpreußens teilweise in Schutt und Asche gelegt. Besonders betroffen waren das südliche und östliche Masuren mit Städten wie Neidenburg oder Lyck.
Im übrigen Reich entwickelte sich eine Welle der Solidarität. Städtepartnerschaften entstanden, und die „Ostpreußenhilfe“ sammelte viele Millionen Mark. Zusammen mit staatlicher Unterstützung wurden die Städte nicht nur wieder neu, sondern auch moderner aufgebaut. Viele erhielten erstmals Kanalisation, elektrische Straßenbeleuchtung und Pflaster auch für Nebenstraßen, was sie in den 1920er Jahren Kleinstädten im Westen des Reiches oft voraus hatten.
Die eindrucksvolle Hilfsleistung versöhnte masurisch und litauisch sprechende Ostpreußen mit dem Deutschen Reich, die sich mit dessen Nationalitätenpolitik nach Reichsgründung zunächst schwer getan hatten. Auch der gemeinsame Militärdienst hatte ihre Deutschkenntnisse gefördert.
Abbildung:
In Kaukehmen, Kreis Niederung, eingelöste Brotkarten über 50 Gramm Brot oder 36 Gramm Mehl, Mai/Juni 1918
Die Kämpfe im Sommer 1914 hatten die Ernte weitgehend zerstört, so dass schon im Frühjahr 1915 Brotmarken eingeführt wurden. Männer und Pferde waren für den Armeedienst verpflichtet, so dass auch in den Folgejahren keine guten Ernten eingeholt werden konnte. Selbst im ländlichen Raum herrschte bitterer Mangel, der sich durch Einquartierungen und Beschlagnahmungen noch verschärfte. In furchtbarer Erinnerung blieb der „Steckrübenwinter“ 1916/17.