Der Fremdenverkehr konnte sich erst entwickeln, als im späten 19. Jahrhundert die Eisenbahn rasches Reisen in die Provinz zuließ. Erste nennenswerte Reiseziele waren die Küstenorte des Samlands wie Cranz oder Rauschen, die im Sommer Badegäste aufnahmen. In den 1890er Jahren wurde die Landschaft Masurens entdeckt und um 1900 das kleine Dorf Nidden auf der Kurischen Nehrung als ein Künstlertreffpunkt.
Erst nach dem Ersten Weltkrieg begann ein namhafter Tourismus. Infolge des Versailler Vertrags war Ostpreußen isoliert und musste neue Einnahmequellen entwickeln. Für national gesonnene Kreise boten sich die Marienburg, das Tannenberg-Denkmal oder auch Soldatenfriedhöfe als Reiseziele an, denn nur in Ostpreußen war auf deutschem Boden gekämpft worden. Königsberg, die Nehrungen, das Ermland, Masuren oder das jetzt litauische Memelgebiet entwickelten sich zu beliebten Ferienregionen im Sommer und Herbst. Im Winter zog der Eissegelsport Gäste nach Ostpreußen.
Abbildungen:
1.) Strandpromenade des Ostseebades Cranz, 1928
Der bereits im frühen 19. Jh. als Ostseebad anerkannte Ort begeisterte mit seinem großzügigen Sandstrand. Mit der 1885 eröffneten Königsberg-Cranzer-Eisenbahn (KCE) förderte den Tourismus. Stündlich fuhren Züge die knapp 30 Kilometer und transportierten bald deutlich über eine Million Gäste im Jahr. Auch heute ist das nunmehr russische Selenogradsk ein beliebter Badeort.
2.) Thomas Mann und seine Familie vor ihrem neu errichteten Ferienhaus in Nidden, Juli 1930
1929 wurde Thomas Mann der Nobelpreis verliehen, von diesem Geld baut er sich ein Ferienhaus im damals litauischen Nidden, dessen Landschaft und Licht – der „italienische Blick“ - ihn faszinierten. Da er als exponierter Gegner des Nationalsozialismus bereits 1933 emigrierte, hat er die Sommer in Nidden nur wenige Male genossen.
Im Sand sitzend von links: Katia Mann, Elisabeth Mann, Thomas Mann, Michael Mann, zwei Jungen, die nicht zur Familie gehören, auf der Bank im Hintergrund Monika Mann.
Foto: ETH-Bibliothek Zürich, Thomas-Mann-Archiv / Fotograf: Fritz Krauskopf / TMA_0192