Wiechert war bis in die 1960er Jahre einer der meistgelesenen, auch international anerkannten deutschen Autoren. In den Erinnerungsbüchern „Wälder und Menschen“ und „Jahre und Zeiten“ spiegelt sich die einsame Landschaft seiner Heimat Masuren, ein Grundmotiv seines Schreibens. Vor allem die Natur war ihm ein Gleichnis für die Humanität, ein positives Gegenbild in seinem häufig von Kulturpessimismus und Schwermut geprägten Werk.
Während des Nationalsozialismus zog er sich in die innere Emigration zurück. Seine kritische Haltung gegenüber dem Regime führte 1938 zu Lagerhaft im Konzentrationslager. Diese Zeit verarbeitete er 1939 im „Der Totenwald“, der erst 1945 erschien.
Wiechert war Lehrer an Gymnasien in Königsberg und Berlin, ab 1933 freier Schriftsteller. Zu seinen bedeutendsten Werken zählen die Romane „Die Majorin“, „Die Jerominkinder“ und „Missa sine nomine“.
Abbildung:
Postkarte von Ernst Wiechert aus dem Konzentrationslager Buchenwald an sein „liebes Amsellein“, 17. Juli 1938
Seit 1934 wurde Wiechert überwacht, seine Lesungen zunächst durch bestellte Störer behindert, ab 1937 ganz untersagt. Nachdem er sich für Pastor Martin Niemöller, einem führenden Vertreter der Bekennenden Kirche, eingesetzt hatte, wurde er am 3. Juli 1938 inhaftiert und nach Protesten aus dem Ausland Ende August wieder freigelassen. Im Anschluss wird er Reichspropagandaminister Goebbels zugeführt, der in sein Tagebuch schreibt: „Ich lasse mir den Schriftsteller Wiechert aus dem K.Z. vorführen und halte ihm eine Philippica, die sich gewaschen hat. Ich dulde auf dem von mir betreuten Gebiet keine Bekenntnisfront. Ich bin in bester Form und steche ihn geistig ab. Eine letzte Warnung! Darüber lasse ich auch keinen Zweifel ... Hinter einem neuen Vergehen steht nur die physische Vernichtung. Das wissen wir nun beide.“