„An die herren Deutschs Ordens das sy falsche keuschhait meyden“: Protestantismus in Preußen

1525 führte der letzte Hochmeister des Deutschen Ordens in Preußen, Albrecht, die Reformation ein und wurde weltlicher Herzog. Bis auf das Ermland wechselten auch die anderen drei Bistümer die Konfession. Preußen wurde das erste protestantische Land der Welt.

Der religiöse Herzog Albrecht gründete die erste lutherische Landeskirche. Er dichtete Kirchenlieder, die bis heute gesungen werden, und förderte Kunst und Dichtung. In Königsberg entstanden Predigerschulen auch in polnischer und litauischer Sprache, um Gottesdienste für alle Landeskinder sicherzustellen.

Ein Nachfolger Albrechts, Kurfürst Johann Sigismund, wechselte 1613 zum reformierten (calvinistischen) Bekenntnis. Fortan versuchten die Landesherren, teils gegen den Widerstand der mehrheitlich lutherischen Bevölkerung, die reformierte Kirche zu stärken. Erst 1817 wurden beide Richtungen in einer „unierten Kirche“ zusammengeführt.

Abbildung:
2 Seiten aus „Enchiridion. Der kleine Catechismus“ von Martin Luther, gedruckt 1561 in Königsberg.
Ein Grundbestreben der lutherschen Reformation war die Verbreitung von Grundkenntnissen des Glaubens in der Volkssprache. Luthers Übersetzung der Bibel aus dem Lateinischen und Griechischen ins Deutsche ist eine seiner großen Leistungen. Im Herzogtum Preußen musste der Katechismus, ein Glaubenshandbuch, neben deutsch auch in prußisch, litauisch und masurisch gedruckt werden. Da die prußische Sprache bereits im 17. Jahrhundert verschwand, stellt der Katechismus heute das umfangreichste Dokument prußischer Sprache dar.