In Ostpreußen wurden in der Weimarer Republik überwiegend Vertreter national-konservativer, monarchischer Positionen gewählt. Das Verhältnis zur Republik war von Beginn an belastet, da die Unterzeichnung des Versailler Vertrags durch die Reichsregierung als Verrat empfunden wurde: Gerade den Ostpreußen galten, neben den Reparationsforderungen und der Entmilitarisierung, die Gebietsverluste und die daraus resultierende Insellage der Provinz als unannehmbare Vertragsbedingung.
Weitreichende Territorialforderungen aus Polen und Litauen förderten Wut und Ablehnung der neuen Nachbarn, was von den Nationalsozialisten erfolgreich aufgegriffen wurde. Das zum Mythos erhobene Bild eines seit Ordenszeiten von Feinden umgebenen „Ostlands“ passte in das völkische, nationalistische Programm der NSDAP. Dennoch hatte sie es zunächst gegen die etablierte Deutschnationale Volkspartei schwer.
Mit Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1929 gelang es den Nationalsozialisten, sich als einzige die Interessen Ostpreußens vertretende Partei darzustellen. Die NSDAP wurde stärkste Kraft.
Abbildungen:
1.) Adolf Hitler in Königsberg, 1932
Hitler reiste 1932 durch Ostpreußen und wurde vielerorts triumphal empfangen. Seine Reden von einer starken Volksgemeinschaft stießen auch bei ethnischen Minderheiten wie Masuren oder Preußisch-Litauern auf Begeisterung, die sich nun endlich als voll akzeptierten Teil der ostpreußischen Bevölkerung ansahen.
Foto: Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin
2.) Erich Koch (1896–1986), 1938
Der aus Wuppertal stammende Koch wurde 1928 von Hitler als Gauleiter nach Ostpreußen berufen. Die hohen Wahlerfolge der NSDAP dort sind wesentlich auch auf sein Wirken zurückzuführen. Ab 1933 hatte er als neuer Oberpräsident neben seiner Parteimacht auch das höchste Verwaltungsamt der Provinz inne. 1939 wurde er für den Ostpreußen angegliederten „Regierungsbezirk Zichenau“ im besetzten Polen zuständig. Nach dem Angriff auf die Sowjetunion kamen der „Bezirk Bialystok“ und das „Reichskommissariat Ukraine“ dazu, was ihn zu einem der mächtigsten Männer Osteuropas machte. In Ostpreußen war er durch Investitionsprogramme und als aktiver Protestant lange anerkannt. Führend beteiligt an der Durchführung des Völkermords an polnischen und ukrainischen Juden, wurde er nach dem Krieg an Polen ausgeliefert, wo er bis zu seinem Tod ohne Reue und Schuldanerkenntnis im Gefängnis saß.
Foto: Bundesarchiv, Von Bundesarchiv, Bild 183-H13717