Trotz totalitärer Unterdrückung und Beschneidung demokratischer Freiheiten blieb der Rückhalt für die NSDAP in Ostpreußen groß. Investitionsprogramme der neuen Machthaber, die kriegswichtige Produktionszweige förderten, sorgten gerade in Ostpreußen nach Jahren der Depression für einen raschen wirtschaftlichen Wiederaufstieg. Das Agrarland profitierte von der staatlich propagierten „Erzeugungsschlacht“, mit der die Nationalsozialisten von Nahrungsimporten unabhängig werden wollten.
So trug der „Ostpreußenplan“ zur Stabilität der oft überschuldeten Höfe bei, etwa durch Abnahmegarantien oder günstigen Krediten. Höfe und Güter konnten so wieder in Gebäude und Maschinen investieren.
In Masuren wurden durch Unterstützung des „Reichsarbeitsdienstes“ beim Trockenlegen feuchter Böden Tausende Hektar Wiesen erschlossen, so dass Viehhaltung und Milchproduktion sprunghaft anstiegen. Die Arbeitslosigkeit sank rasch. Diese Fortschritte führten zu einer hohen Staatsverschuldung, die mit Ausbeutung der im Krieg besetzten Länder gegenfinanziert wurde.
Abbildungen:
1.) Propagandabild zum Reichsarbeitsdienst in Ostpreußen, 1938
Der Originaltext zur Aufnahme lautet: „Reichsarbeitsdienst als Erntehelfer. In Ostpreußen wurden gestern vier motorisierte Erntehilfszüge des Reichsarbeitsdienstes eingesetzt, die überall eingreifen, wo eine schnelle Einbringung der Ernte notwendig erscheint. Jedem Zug gehören 36 Arbeitsmänner an, die sämtlich mit der Sense arbeiten können.“
Den Nationalsozialisten gelang es erfolgreich, in Ostpreußen, dem einstigen „Armenhaus Deutschlands“, das Gefühl von Unterstützung und Hilfe zu vermitteln. Ein Jahr später begann Deutschland einen Angriffs- und Vernichtungskrieg, an dessen Ende der Untergang Ostpreußens stand.
Foto: Bundesarchiv, 146-1987-085-19
2.) Reichskanzler Adolf Hitler und Reichspräsident Paul von Hindenburg am 26.8.1933, dem Jahrestag von Hindenburgs Sieg bei Tannenberg, im ostpreußischen „Tannenberg-Nationaldenkmal“ (später „Reichsehrenmal“) bei Hohenstein, Kreis Osterode.
Neben den wirtschaftlichen Erfolgen gelang es Hitler gerade mit dem Schüren von Ängsten vor einer polnischen Bedrohung die Insellage Ostpreußens zur Machtkonsolidierung auszunutzen. So verstand er es, sich in der Tradition der einstigen preußischen Herrscher und eines sich quasi-monarchisch gebenden Hindenburgs, des „Retters Ostpreußens“, als neue Identifikationsfigur und als deren natürlicher Nachfolger zu stilisieren.
Foto: Bildarchiv Ostpreußen, 110303