Luise von Preußen aus dem Haus Mecklenburg-Strelitz (1776-1810) war bereits zu Lebzeiten wegen ihrer Schönheit und Anmut berühmt. Die als bürgernah geltende, lebensfrohe Königin und Mutter war beim Volk beliebt. Im Konflikt mit Napoleon erwuchs ihr an der Seite des entscheidungsschwachen Königs Friedrich Wilhelm III. auch eine politische Rolle.
Ihre entbehrungsreiche Flucht vor den Franzosen bis Memel, die über die winterliche Kurische Nehrung führte, wurde rasch legendär. Um die drohende Zerschlagung Preußens zu verhindern, traf sie sich in Tilsit mit Napoleon – damals ein höchst ungewöhnlicher, fast pikanter Vorgang. Luise galt als erbitterte Gegnerin des französischen Kaisers, daher überhöhte man ihre Bereitschaft zu diesem letztlich wenig erfolgreichen Gespräch als „Opfergang“. Luises Kummer über Preußens Demütigung brachte man mit ihrem frühen Tod 1810 in Verbindung. Später wurde sie endgültig verklärt und zu einem Vorbild aller Weiblichkeit in Preußen stilisiert.
Titelzitat: Luises Bruder Georg von Mecklenburg-Strelitz nach ihrem Tod
Abbildungen:
1.) Königin Luise mit ihren Söhnen auf der Flucht nach Memel, Xylografie von A. Zick, 1887
Wesentlich zum Mythos Luises trug die für ihre Zeit ungewöhnliche Zur-Schau-Stellung der königlichen Familie dar, die bereits als Kronprinzenpaar begonnen hatte. Luise als gute Mutter ihrer vielen Kinder wurde so zur fürsorglichen, hingebungs- und aufopferungsvollen Mutter Preußens.
2.) Besuch Königin Luises bei den Armen in Ostpreußen, Holzstich von G. Meyer nach einem Gemälde von Hugo Händler, spätes 19. Jahrhundert