Die einsame Lage der Herrenhäuser, fern der städtischen Geselligkeit, förderte großartige Jagdgesellschaften und herrschaftliche Bälle. Besonders im 18. Jahrhundert wurden Feste gefeiert, die wie das Glücksspiel zum Ruin des Gutsbesitzers führen konnten.
Das gesellige Zusammensein diente dem Austausch und der Kurzweil. Besonders die jungen Damen pflegten Hausmusik und genossen die Lektüre geistiger wie schöner Literatur. Jahrmärkte oder auch Schlittschuhlaufen dienten der zwanglosen Begegnung aller Schichten.
Bildungsreisen machten die baltischen Adeligen und Gelehrten, die „Literaten“, mit den zeitgenössischen Ideen Europas und Russlands bekannt und waren Grundlage für einen Kulturtransfer von West nach Ost und umgekehrt. Aufzeichnungen erzählen von gemeinsamen Erlebnissen an der Universität und in den studentischen Korporationen.
In der Stadt boten die Mitgliedschaft in Vereinen und der Besuch von Konzerten weitere Zerstreuung, waren aber auch Ausdruck von Bildungs- und Standesanspruch.
Abbildungen:
1.) „Blossfeldt am Cello“. Scherenschnitt von Eveline von Maydell (1890-1962), 1. Hälfte 20. Jh.
Deutschbaltische Kulturstiftung
2.) Selbstgemachte Einladungskarte mit Tiermotiv zu einem Fest von Baronesse von Kruedener, Riga 1913
Deutschbaltische Kulturstiftung