Wissenschaft und universitäres Leben

Im Geiste der Aufklärung wurde 1802 unter Zar Alexander I. die Universität Dorpat/Tartu neu gegründet, die 1632 von Gustav Adolf von Schweden gestiftet und seit 1710 geschlossen worden war. Die bis 1886 deutschsprachige Landesuniversität bildete ein gemeinsames geistiges Zentrum für die Provinzen Estland, Livland und Kurland. Ihre Bedeutung strahlte jahrzehntelang in das gesamte Russische Reich aus: Dort waren Dorpater Wissenschaftler führend auf dem Gebiet der Naturwissenschaften, der Medizin, Pharmazie, Astronomie und der Erforschung Sibiriens.

Die Studentenschaft bestand bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zu etwa 70 Prozent aus Landeskindern deutscher Herkunft. Diese begründeten in den Jahren von 1808 bis 1823 die Korporationen der Curonia, Estonia, Livonia und Fraternitas Rigensis. Estnische, lettische, polnische und jüdische Studenten mussten lange um gesellschaftliche Anerkennung kämpfen. Zwischen 1878 und 1900 erhöhte sich schließlich die Zahl der lettischen Studierenden von 62 auf 565.

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Die Academia Petrina
Die Lehranstalt wurde 1775 in Mitau/Jelgava, der Hauptstadt des Herzogtums Kurland und Semgallen, auf Initiative von Friedrich Wilhelm von Raison durch den Herzog Peter von Biron eingerichtet. Ursprünglich als protestantische Universitätsstiftung geplant, konnte diese unter katholisch-polnischer Lehnshoheit nicht vollzogen werden. Die Academia Petrina war die älteste höhere Bildungseinrichtung in Lettland, die bekannte lettische Persönlichkeiten wie die Dichterin Aspazija (1865-1943) oder der Volkskundler Krišjānis Barons (1835-1923) absolvierten.
Foto: Herder-Institut, Marburg. Bildarchiv.