Nach der fast vollständigen Zerstörung der ländlichen und städtischen Bebauung im Nordischen Krieg übernahm man im 18. Jahrhundert zunächst nur für Repräsentationsräume barocke Zierformen in Stuck und Fresko. Später folgten Ausstattungen im klassizistischen Stil.
Der „Saal“ und angrenzende Räume bildeten das Zentrum des Herrenhauses im Baltikum. Sitzgruppen reihte man an den Wänden auf, die „Enfilade“, der auf einer Achse liegende Durchgang von Zimmer zu Zimmer, lud zum Flanieren und zu rauschenden Festen ein.
Im Biedermeier ab 1830 veränderten Teppiche, Vorhänge und schlichtere Möbelformen die Atmosphäre vieler Häuser im Baltikum. Wände erhielten einfarbige Anstriche mit Bordüren oder gestreifte französische Tapeten. Im späteren 19. Jahrhundert ahmte man wie in Großbritannien und Deutschland historische Stile nach und stattete Räume reich aus.
Ahnengalerien waren auch für baltische Herrenhäuser ein charakteristisches Merkmal und dienten der Selbstvergewisserung der deutschen Oberschicht.
Abbildungen:
1.) Enfilade des Herrenhauses Allatzkiwwi (Alatskivi).
Estnisches Historisches Museum
2.) Rittersaal des Herrenhauses Allatzkiwwi (Alatskivi) mit Ahnengalerie. Estnisches Historisches Museum