Die „Osthilfe“ – Förderprogramme gegen Ostpreußens Agrarkrise

Polen und Litauen, die neuen direkten Nachbarn, schützten ihre Märkte vor deutschen Agrarprodukten durch hohe Zölle und fielen als bislang wichtige Absatzmärkte weg. Der Handel mit dem einstigen Russland brach wegen Revolution, Bürgerkrieg und Systemwandel zusammen.

Umgekehrt verteuerte sich die Einfuhr wichtiger Handwerks- und Industriegüter, besonders Kohle, Dünger und Maschinen. Aufgrund der Standortnachteile wurden Kredite in der Provinz höher bezinst als im übrigen Reich. Nicht nur die Landwirtschaft geriet in wirtschaftliche Not.

Zur Förderung des Handels wurde 1920 in Königsberg die „Deutsche Ostmesse“ ins Leben gerufen. Mehrere staatliche Maßnahmen dienten als „Osthilfe“ ab 1926 zur Entschuldung landwirtschaftlicher Betriebe und halfen bei der Landverteilung unrentabler Güter an Kleinbauern. Die einflussreichen Großgrundbesitzer profitierten in besonderem Maß von den Fördergeldern. Diese Ungerechtigkeit trug zur politischen Radikalisierung und Abkehr von den alten Eliten bei.

Abbildung:
Reichspräsident Friedrich Ebert eröffnet die erste Ostmesse 1920 in Königsberg, die schon bald – hinter Leipzig – zur bedeutendsten Handelsmesse Deutschlands aufstieg.
Foto: Kreisgemeinschaft Königsberg.