Reformgeist und Aufbruchstimmung der Befreiungskriege dauerten auch in Ostpreußen nicht an, vielmehr begann eine Phase der Restauration. Gerade der ländliche Raum blieb konservativ und traditionsbewusst.
Daran änderte auch die Oberpräsidentschaft des liberalen Theodor von Schön nichts, der neben Westpreußen ab 1824 auch Ostpreußen vorstand. In Fortführung der Reformzeit setzte er sich stark für die Bildung aller Schichten und eine von modernen ökonomischen, nicht mehr ständischen Erwägungen geprägten Landwirtschaft ein. Schon um 1830 war nur noch die Hälfte der ostpreußischen Güter in adliger Hand.
Langsam entwickelte sich ein wirtschaftlich wie gesellschaftlich aufstrebendes Bürgertum. Man profitierte von der städtischen Selbstverwaltung, dem Wegfall der Zunftzwänge und den Handelsverbesserungen durch das Ende der preußischen Binnenzölle 1818. Selbstbewusste Eingaben an den Landtag, selbst aus Kleinstädten wie Mohrungen, Stallupönen oder Insterburg, forderten mehr Mitsprache.
Abbildungen:
1.) A. Berkhout, Familienbild des Biedermeier, 1854
Das schlichte Porträt von Vater, Mutter und Kind gibt das neue Selbstverständnis von bürgerlicher Familie und einem zeittypischen Rückzug ins Private wieder. Das häusliche Familienglück steht im Mittelpunkt. Das Kind ist nicht mehr nur ein „kleiner Erwachsener“, vielmehr wird die Kindheit als eine eigenständige Lebensphase entdeckt und akzeptiert.
2.) Friedrich Gilly, Einzug des Hochmeisters in den Remter der Marienburg, 1803
Im 19. Jh. erfreuten sich historisierende, meist verklärende Darstellungen des Mittelalters großer Beliebtheit, wo man eine identitätsstiftende deutsche Vergangenheit meinte gefunden zu haben. Auch die Marienburg wurde damals von Romantikern wie dem Dichter Joseph von Eichendorff oder dem Maler Adolf Menzel „entdeckt“. Eichendorff, der als preußischer Beamter zehn Jahre in Danzig und Königsberg tätig war, schrieb 1830 das Drama „Der letzte Held von Marienburg“. Ihre neue Bekanntheit ermöglichte schließlich aufwendige Restaurierungsarbeiten.