Des Kaisers Keramik – Cadiner „Majolika“

Mit der ab 1902 produzierten Kunstkeramik auf seinem Gut Cadinen wollte Kaiser Wilhelm II. auf die Ausbildung „guten Geschmacks“ im deutschen Volk einwirken. Seine Vorstellungen von echter Kunst waren durch den Historismus geprägt. Entsprechend orientierten sich die frühen Keramiken an historischen Vorbildern von der Antike bis ins 18. Jahrhundert.

Besondere Bedeutung kam der Baukeramik zu, die im öffentlichen Raum eingesetzt und so ein breites Publikum erreichte. Nach 1945 ist wenig erhalten geblieben.

Erst nach 1918 wurde die Cadiner Keramik erfolgreich auf Publikumsgeschmack eingestellt, da nun gewinnbringend gearbeitet werden musste. Es entstand eine sehr populäre und viel gekaufte Zierkeramik, so dass Cadiner Keramik nach 1945 von vielen Ostpreußen als Erinnerung an die verlorene Heimat geschätzt wurde.

Abbildungen:
1.) Cadinen bei Elbing am Frischen Haff, Fabrikgebäude der Königlichen Majolika Manufaktur, 1904. Der Boden birgt ein reiches Tonvorkommen.

2.) Cadiner Majolika, Theodor-Heuss-Platz Berlin
Die Decke des heutigen U-Bahnhofes „Theodor-Heuss-Platz“ in Berlin-Charlottenburg, der 1908 als „Reichskanzlerplatz“ zeigt eines der selten erhaltenen Beispiele Cadiner Baukeramik. Der Hausarchitekt der damals zuständigen Hochbahngesellschaft, Alfred Grenander, wertete mit den farbigen keramischen Fliesen die Zugangshalle für Züge in Richtung Pankow auf.