In exponierter Grenzlage, am östlichsten Rand Preußens gelegen, waren in Ostpreußen stets erhebliche Truppenkontingente stationiert. Die Armee war allgegenwärtig und ein wichtiger wirtschaftlicher wie gesellschaftlicher Faktor.
Königsberg war im Kaiserreich neben Berlin und dem in Lothringen liegenden Metz drittstärkste Garnisonsstadt und beherbergte einige der traditionsreichsten Einheiten der preußischen Armee wie die Grenadier-Regimenter Nr. 1 „Kronprinz“ (1. Ostpreußisches) oder Nr. 3 „König Friedrich Wilhelm I.“ (2. Ostpreußisches). In Grenzstädten wie Tilsit, Gumbinnen oder Goldap lagen mobile Kavallerie-Einheiten: Kürassiere, Dragoner und Ulanen.
Bei Wehrpflichtigen griff der Staat bevorzugt auf die als besonders loyal geltenden ländlichen Regionen Ostpreußens zurück. Da nahezu alle adligen Gutsfamilien für einen ihrer Söhne eine der hoch geachteten Offizierslaufbahnen vorsahen, waren weite Teile der ostpreußischen Gesellschaft direkt mit der preußischen Armee verbunden.
Abbildungen:
1.) Generalfeldmarschall Hermann von Boyen (1771-1848)
Der in Kreuzburg bei Preußisch-Eylau geborene Boyen besuchte die Königsberger Kriegsschule, hörte aber auch Vorlesungen von Immanuel Kant und war zusammen mit Scharnhorst und Gneisenau Wegbereiter der preußischen Militärreformen nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon. 1814 führte er als Kriegsminister die allgemeine Wehrpflicht ein.
2.) Ein beliebtes Schauspiel in Königsberg war der Aufzug der Wache vor dem Schloss, verbunden mit einem Konzert am Schlossteich, sowie die Umzüge und Konzerte der Musikkapellen der sieben Königsberger Regimenter und zwei Bataillone. Regelmäßiges Aufsehen weckte der 1866 in der Schlacht bei Königgrätz gegen Österreich erbeutete, von einem „Paukenhund“ gezogene Trommelwagen des Infanterie-Regiments „Herzog Karl von Mecklenburg-Strelitz“ (6. Ostpreußisches) Nr. 43.
Foto: Bildarchiv Ostpreußen