„Nimmersatt, wo das Reich ein Ende hat“ - Ostpreußen als Teil des Deutschen Reiches seit 1871

Die Idee einer geeinten deutschen Nation lag seit den Befreiungskriegen in der Luft. Bei der Revolution 1848 spielten liberale Vorkämpfer aus Ostpreußen wie Johann Jacoby oder Eduard von Simson eine zentrale Rolle. Letzterer stand an der Spitze der Gesandtschaft, die Friedrich-Wilhelm IV. 1849 erfolglos die deutsche Kaiserkrone antrug.

Als 1871 der preußische König Wilhelm I. in Versailles zum Deutschen Kaiser ausgerufen wurde, wurde das Land als östlichste Provinz Preußens Teil des Deutschen Reiches. Rasch entwickelte sich ein nunmehr konservativer, auf das Deutschtum gerichteter Nationalismus. War man im Königsreich Preußen noch tolerant gegen „seine“ Litauer und die polnisch sprechenden Masuren gewesen, wurde nun deutschsprachiger Schulunterricht Vorschrift.

Aber selbst im konservativen Agrarland Ostpreußen gelang oppositionellen Politikern wie dem Königsberger Hugo Haase, der von 1911 bis zu seiner Ermordung 1919 Vorsitzender der SPD und später der USPD war, der Aufstieg.

Abbildungen:
1.) Fritz Paulsen (1838-1898): Eduard von Simson (1810-1899), 1880
Der aus einer jüdischen Familie stammende gebürtige Königsberger studierte Rechtswissenschaften an der Albertina, wo er später auch lehrte und ihr als Rektor vorstand. 1848 war er als Königsberger Abgeordneter zeitweise Präsident der Frankfurter Nationalversammlung und Vorsitzender der „Kaiserdeputation“. Er prägte wesentlich den damaligen ersten Verfassungsentwurf. 1871 war er erster Präsident des Deutschen Reichstages und später Präsident des Reichsgerichts Leipzig. 1888 erhielt er den Schwarzen Adlerorden und wurde geadelt.

2.) Adolph von Menzel (1815-1905), Die Krönung Wilhelm I. zu Königsberg 1861, 1865
Nach der Revolution 1848 betonten die preußischen Könige ihren Herrschaftsanspruch aus dem Gottesgnadentum im Gegensatz zu einer von Volk und Parlament verliehenen und an eine Verfassung gebundenen Königswürde. Der als „Kartätschenprinz“ die gewaltsame Niederwerfung der Revolution 1848 fordernde und zunächst umstrittene Prinz ließ sich als erster König nach 1701 wieder in Königsberg krönen, um an die Tradition seiner Würde zu erinnern. Er setzte sich dabei die Krone selbst aufs Haupt.

Titelzitat: Redewendung mit Bezug auf den nördlichsten Ort in Ostpreußen und dem Deutschen Reich