Als 1807 Preußens Krise den Freiherrn vom Stein und später den Fürsten von Hardenberg in die Regierung brachte, leiteten sie ein umfassendes gesellschafts- und wirtschaftspolitisches Reformwerk ein. Es baute stark auf den Ideen Kants und Kraus‘ auf. Wichtige Reformer waren deren Anhänger, darunter viele Ostpreußen wie von Schön oder von Schrötter.
Alte ständische Bindungen sollten abgeschafft und dafür Rechte und Verantwortung der Bürger gestärkt werden. Bereits mit dem Memeler Oktoberedikt 1807 beseitigte man die Leibeigenschaft. Diesem Beginn der Agrarreformen folgten Gewerbefreiheit und städtische Selbstverwaltung, Steuerreformen, eine straffe Staatsverwaltung sowie das Emanzipationsedikt für Juden.
Gerade beim ostpreußischen Adel regte sich auch Widerstand, die Agrarreformen wurden nach 1815 wieder abgeschwächt. Dennoch wurde damals gemeinsam mit der Humboldtschen Bildungsreform sowie der Militärreform durch Gneisenau und Scharnhorst Preußens Stärke im 19. Jahrhundert begründet.
Abbildungen:
1.) Theodor von Schön (1773-1856)
Als Sohn eines Domänenpächters in Ostpreußen verfasste er ein Gutachten über die Erbuntertänigkeit, welches das Kernstück des Steinschen Oktoberedikts von 1807 wurde. Auf ihren Domänen hatten die preußischen Könige die Leibeigenschaft schon im 18. Jahrhundert abgeschafft. Schön war später Oberpräsident der Provinz Preußen. Auch noch im Vormärz zählte er bis zum Ausscheiden aus dem Staatsdienst 1842 zu den liberalen Reformern. Als Dank für die umfassende Restaurierung der Marienburg wurde er zu deren „Burggraf“ ernannt.
2.) Friedrich Leopold von Schrötter (1743-1815), 1794
Geprägt vom Königsberger Kreis liberaler Aufklärer wie Immanuel Kant, Theodor Gottlieb von Hippel d.Ä., Johann Georg Scheffner und Christian Jacob Kraus war von Schrötter ab 1791 Oberpräsident in Königsberg. Berühmt wurde er durch die „Schroettersche Landesaufnahme“, ein Vermessungsprojekt Ost- und Westpreußens.
Titelzitat: Aus dem Oktoberedikt von 1807