Mühsamer Weg – berufliche und gesellschaftliche Integration

Viele der Flüchtlinge und Vertriebenen waren zunächst, wenn nicht sogar arbeitslos, berufsfremd tätig. Nur den wenigsten gelang eine Rückkehr zu ihrem Vorkriegsstatus. Dies betraf vor allem die vor 1945 tätigen Landwirte, darunter viele Ostpreußen, da es an freien Hofstellen mangelte. Wer aus der Selbständigkeit in ein Angestelltenverhältnis wechseln oder sich als Lohnarbeiter verdingen mussten, den bedrückte der Statusverlust besonders. In ihrer „neuen Heimat“ nicht verwurzelt, waren sie mobil und füllten die Lücken der neu entstehenden Dienstleistungsgesellschaft. Ihre Flexibilität, Mobilität und hohe Motivation waren ein entscheidender Beitrag zum bundesdeutschen Wirtschaftswunder.

Neben dem Wohlstandsgefälle gab es anfangs auch kulturelle, soziale und konfessionelle Unterschiede zwischen Alteingesessenen und Angekommenen, die nicht selten zu Spannungen führten. Es dauerte Jahre, bis es zu einer Selbstverständlichkeit wurde, miteinander zu feiern, zu heiraten und gemeinsam am Wiederaufbau mitzuwirken.

Abbildungen:
1.) Bäckerei und Konditorei Sackheim Nr. 39 in Königsberg
Foto: Privat

2.) Bäckerei und Konditorei von Herbert Zimmermann 1957 in der Scharnhorststraße in Lüneburg.
Foto: Privat

Der aus Königsberg stammende Konditormeister und Marzipanspezialist Herbert Zimmermann baute sich in Lüneburg eine neue Existenz auf. Er pachtete 1950 zunächst eine Bäckerei in der Salzstraße, bevor er 1954 in der Scharnhorststraße eine eigene Konditorei in einem Neubau eröffnen konnte. Seine Tochter Helga führte dann mit ihrem Mann Günther Kamphaus die Turm-Bäckerei, die noch viele Jahre ostpreußische Marzipanspezialitäten anbot.