Die Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostprovinzen und Siedlungsgebieten organisierten sich bald, um sich als Minderheit in ihrer neuen Umgebung politisch und kulturell zu behaupten sowie ihr Schicksal und den Verlust im gemeinschaftlichen Austausch zu verarbeiten.
Im Mittelpunkt stand die Pflege von heimatlichen Bräuchen. Von Backwaren und Gerichten wie „Königsberger Klopse“ über Sing-, Tanz- und Trachtengruppen, bis hin zu Handarbeiten wie Weben, Nähen und Töpfern reichten die Bemühungen. Auch wurden Mundart- und Vortragsabende ausgerichtet.
Die Räume, in denen sich solche Gruppen trafen, wurden mit Erinnerungsstücken dekorierte „Heimatstuben“. Aus diesen erwuchsen teilweise kleine, meist ehrenamtlich geführte Heimatmuseen mit Sammlungen geretteten Kulturguts und handgefertigter Erinnerungsobjekte. Mit dem altersbedingten Schrumpfen der „Erlebnisgeneration“ sind viele dieser Sammlungen gefährdet oder sogar schon aufgelöst worden.
Abbildungen:
1.) Schlesischer Heiratsmarkt in Dahlenburg, Kreis Lüneburg, 20. Mai 1950.
„Wullt ihr Huxt mach’n?“ fragte der Standesbeamte die jungen Leute, die ihre Namen auf ein Herz geschrieben hatten und dann einander zugelost wurden. Für einen Tag tanzten und feierten die per Heiratsurkunde Angetrauten bei diesem schlesischen Volksfest, das ursprünglich der ländlichen Jugend ein zwangloses Kennenlernen ermöglichen sollte. Es wurde 1946 in Dahlenburg wiedereingeführt und 1951 stürmten 8.000 Menschen, die teils mit Sonderzügen aus Hamburg und Hannover angereist waren, das dortige Schützenhaus. Ein Brauch, bei dem sich auch Flüchtlinge und Einheimische näherkamen.
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2.) Sammlung Labiau im Torhaus in Otterndorf
Einblick in die Heimatstube der Kreisgemeinschaft Labiau/Ostpreußen in Otterndorf in den 1970er Jahren. Heimatstuben der Vertriebenen bezogen sich auf Orte und Regionen in den jeweiligen Herkunftsgebieten oder ganz allgemein auf die „ostdeutsche“ Heimat.