In der Bundesrepublik rückten um 1960 der Holocaust und die Verbrechen der Deutschen im Zweiten Weltkrieg ins Zentrum der öffentlichen Debatten. Sie stellten das bis dahin gängige Selbstbild der Deutschen als Opfer von Krieg und Vertreibung in den Schatten.
Versöhnungsinitiativen wie die 1965 erschienene „Ostdenkschrift“ der Evangelischen Kirche Deutschlands sowie der Hirtenbrief der polnischen Bischöfe waren Ausdruck eines einsetzenden gesellschaftspolitischen Wandels. Er bereitete den Weg für die unter Bundeskanzler Willy Brandt seit 1969 auf Verständigung ausgerichtete Ostpolitik.
In den zwischen 1970 und 1973 von der Bundesrepublik abgeschlossenen Ostverträgen mit der Sowjetunion, Polen, der Tschechoslowakei und der DDR sahen die Interessenorganisationen der Vertriebenen entgegen eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts eine Preisgabe der deutschen Ostgebiete. Mit dem Bestehen auf dem Recht auf Heimat im Osten, nahmen sie immer mehr eine gesellschaftliche Randstellung in der Bundesrepublik ein.
Abbildungen:
1.) Das 2005 errichtete Denkmal auf der Sandinsel in Wrocław / Breslau stellt Kardinal Bolesław Kominek dar. Er verfasste 1965 den Brief der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Amtsbrüder, dessen zu kommunistischen Zeiten mutiger Kernsatz „Wir gewähren Vergebung und bitten um Vergebung“ zu einem Schlüsselmoment der deutsch-polnischen Verständigung wurde.
Herder-Institut Marburg, Foto: Wolfgang Schekanski
2.) Kniefall Willy Brandts in Warschau 1970
Als wichtiges Signal für die Annäherungspolitik wirkte der 1970 in der polnischen Hauptstadt erfolgte Kniefall des Bundeskanzlers Willy Brandt vor dem Mahnmal des Aufstandes im Warschauer Ghetto.
Foto: bpk