Abgetrennt vom Reich – Ostpreußen in der Weimarer Republik

Die deutsche Niederlage 1918 war für die Provinz besonders folgenreich. Durch den „polnischen Korridor“ wurde sie vom übrigen Deutschen Reich abgetrennt. Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und Hyperinflation der 1920er Jahre wirkten sich in Ostpreußen aufgrund seiner Isolation besonders schwer aus und belasteten das Vertrauen in die neue Staatsform.

Der Versailler Friedensvertrag trat 1920 in Kraft. Er wurde in Deutschland als demütigender Diktatfrieden verstanden und besonders wegen der Gebietsabtretungen parteiübergreifend heftig abgelehnt.

Westpreußen fiel zu weiten Teilen an das wiedererstandene Polen, in Ostpreußen betraf dies das Gebiet um Soldau bei Neidenburg. Im Norden wurde das Memelland abgetrennt und dem Völkerbund unterstellt, 1923 dann von Litauen annektiert.

In weiten Teilen Masurens und des Ermlands sollte eine Volksabstimmung über den Anschluss an Polen Klarheit schaffen. Auch wenn eine überwältigende Mehrheit für Ostpreußen und damit für Deutschland votiert hatte, herrschte nun auf beiden Seiten eine national aufgeheizte Stimmung. Das Verhältnis zu den neuen Nachbarn war vergiftet. Man fühlte sich von Feinden umgeben.

Abbildung:
Die Abstimmungsgebiete 1920
Die Verteilung deutscher und polnischer Muttersprache nach dem Zensus von 1910 sowie die Ergebnisse der Abstimmung für „Ostpreußen“ jeweils in den betroffenen Kreisen 1920