Pastoren im Baltikum: Lehrer, Grundherren, Aufklärer

Seit der Reformation kamen viele Pastoren von deutschen Universitäten, die auf Gütern als Hauslehrer und Prediger dienten. Sie erhielten von der Kirche „Pastorate“ mit Gesinde zugeteilt, oft großzügige Anwesen, die ihnen wirtschaftliche Unabhängigkeit sicherten.

Die lutherischen Pastoren waren sowohl für die großen lettischen oder estnischen als auch für die im kleineren Rahmen stattfindenden deutschen Gottesdienste zuständig. Sie nahmen auch Aufsicht und oberste Leitung des Schulwesens wahr. Mit ihrem seelsorgerlichen und pädagogischen Bemühen für Esten und Letten erwachte ein Interesse für deren kulturelle Eigenarten und Sprache, dass zur Entstehung von Schriftsprachen führte. Deutsche Pastoren übersetzten den Katechismus, geistliche Lieder und später auch die Bibel ins Lettische und Estnische. Im 18. Jahrhundert etablierten sie auch aufklärerisches Gedankengut, das sich kritisch mit den bestehenden Verhältnissen der Landbevölkerung auseinandersetzte, und forderten Veränderungen ein.

Abbildung:
Ansicht der Kirche und des Pastorats in Trikaten, Zeichnung in: Johann Christoph Brotze „Sammlung verschiedner Liefländischer Monumente“, Band 8, S.166; 1799. Foto: Herder-Institut, Marburg, Bildarchiv.