Nach der russischen Eroberung der Ostseeprovinzen Estland, Livland und Kurland im 18. Jahrhundert spielten die Deutschbalten bei der von Peter dem Großen und seinen Nachfolgern betriebenen Modernisierung des Zarenreiches eine wichtige Rolle. Aufgrund ihrer guten Bildung, Kontakte und westlichen Lebensart galten sie als eine Elite im gesamten Reich.
Das Zarenreich bot seinen deutschsprachigen Untertanen gute Karrieremöglichkeiten. Als Staatsbedienstete, Militärs, Ärzte, Forscher und Kaufleute beschleunigten sie den Wissenstransfer von West nach Ost. Eine Anbindung an Herrscher und Staatsapparat sicherte lange eine Sonderstellung des baltischen Raumes im russischen Reich. Mit aufkommendem estnischen und lettischen Nationalismus und wachsendem Druck aus Russland gerieten die Deutschbalten in die Defensive.