Deutschbalten in russischen Diensten

Deutschbalten waren bereits seit der Frühen Neuzeit als ausländische Fachleute im Russischen Reich tätig. Für sein Ziel der europäischen Integration Russlands verstärkte Peter der Große die Anwerbung, indem er ihnen viele Freiheiten und die uneingeschränkte Ausübung ihres religiösen Bekenntnisses zusicherte. Hinzu kamen großzügige finanzielle Anreize, die die Arbeit in der Fremde attraktiver machten. Deutsche spielten gerade im Offizierskorps und Beamtenapparat des Zarenreiches eine überproportional große Rolle. Im 19. Jahrhundert bis zum Ende des Kaiserreiches gab es an der Spitze jedes russischen Ministeriums mindestens einen Deutschbalten.

Viele deutschbaltische Adelsfamilien besaßen später russische Familienzweige, da Kinder gemischter Ehen im orthodoxen Ritus getauft werden mussten. Bekannte Beispiele sind die Familien Wrangell oder Krusenstern. Letzterer wird als Weltumsegler noch heute gleichermaßen in Russland, Estland und Deutschland geehrt.

Abbildungen:
1.) Porträt der Baronin von Krüdener mit ihrem zweijährigen Sohn Paul von Angelika Kauffmann, 1787. Musée du Louvre-Lens
Barbara Juliane von Krüdener (1764-1824) war eine berühmte deutschbaltische Frau. Sie stammte aus dem baltischen Adelsgeschlecht Vietinghoff-Scheel und war die Enkelin des Feldmarschalls von Münnich. Die Schließung der Heiligen Allianz zwischen Russland, Österreich und Preußen im Jahr 1815 wird auch auf ihren Einfluss auf den russischen Zaren Alexander I. zurückgeführt.

2.) Paul von Rennenkampf (1854-1918). Der russische General der Kavallerie und Generaladjutant des Zaren Nikolaus II. stammte aus einer deutschbaltischen Familie. Er führte 1914 die Offensive russischer Streitkräfte in Ostpreußen an.