Die ständige militärische Bedrohung Livlands von außen und die inneren Umbrüche im Gefolge der Reformation ließen den livländischen Zweig des Deutschen Ordens als Machtfaktor im 1558 eröffneten Livländischen Krieg gegen Zar Iwan IV. untergehen. Städte und Ritterschaften suchten neue Schutzmächte: Reval unterwarf sich Schweden, die Insel Ösel (Saaremaa) wurde dänisch. Livland und Riga huldigten dem König des katholischen Polen-Litauen, Sigismund II. August. Der letzte Ordensmeister Livlands, Gotthard Kettler, leistete dem polnischen König den Lehnseid und erhielt das inzwischen protestantische Kurland und Semgallen als Herzogtum. Sein Nachfolger Jakob Kettler führte es zu wirtschaftlicher Blüte. Das 1561 vom König gewährte „Privilegium Sigismundi Augusti“ sicherte den Städten und Ritterschaften in Livland und Kurland Sonderrechte wie die Ausübung des evangelischen Glaubens, die deutsche Amtssprache, die Gerichtsbarkeit und die Selbstverwaltung des Landes unter Anwendung deutschen Rechts.
Abbildungen:
1.) Die Wallfahrtsbasilika in Aglohn (today Aglona), die jährlich von 50.000 Gläubigen besucht wird, ist ein Hinweis auf die lange katholische Prägung dieser Region im Südosten Lettlands. Von 1561 bis 1772 gehörte sie als Polnisch-Livland zum Königreich Polen-Litauen, heute nennt sich dieser Teil Lettlands Lettgallen, in dem im Unterschied zum Rest des Landes die Katholiken in der Mehrzahl sind.
Foto: Dainis Matisons
2.) Das Herzogtum Kurland und Semgallen, Karte von Franz Johann Joseph von Reilly aus dem Atlas Schauplatz der fünf Theile der Welt, Wien 1791