Nach dem Ersten Weltkrieg verlor das Deutsche Reich mit Nordschleswig, Elsaß-Lothringen, Posen und Teilen Westpreußen und Schlesiens 13 % seines Gebiets und 10 % seiner Bevölkerung. Polens Territorialforderungen gingen aber zunächst über das westpreußische Weichselgebiet und Posen hinaus. Sie umfassten auch Oberschlesien, Masuren und das Ermland. Gemäß der Idee eines Selbstbestimmungsrechts der Völker sollten in letzteren Landesteilen die Bewohner befragt werden.
Betroffen waren in Ostpreußen der gesamte Regierungsbezirk Allenstein sowie der Kreis Oletzko. Stimmberechtigt waren die dort geborenen gut 540.000 Personen. Wer auswärts wohnte, konnte zur Stimmabgabe anreisen.
Deutschland und Polen betrieben beide aufwendige Propaganda. Das Ergebnis fiel angesichts der ethnischen Vielfalt Ostpreußens überraschend deutlich aus: Im Regierungsbezirk Allenstein votierten über 97 % für Deutschland, im Gebiet Marienwerder waren es über 92 %. Kreis und Stadt Oletzko/Marggrabowa, wo nur zwei von über 32.000 Stimmen für Polen abgegeben wurden, nannte man in „Treuburg“ um.
Abbildung:
Abstimmungsdenkmal Marienburg
An mehreren Orten wurden Denkmäler in Erinnerung an das klare Bekenntnis zum Deutschen Reich errichtet. Wiederholt griff man dabei auf den Deutschen Orden zurück, der nun als Begründer eines deutschen Ostpreußens ausgelegt wurde. In Polen wie in Deutschland etablierten Nationalisten das Bild eines jahrhundertelangen Ringens zwischen Deutschen und Slawen. Ostpreußen wurde dabei von deutscher Seite zur treuen, erdverwurzelten „Ostmark“ des Deutschtums überhöht.
Foto: Bildarchiv Ostpreußen