Als im Sommer 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, besetzten zwei russische Armeen rasch das südliche und östliche Ostpreußens. Hundertausende Familien flohen vor den Kampfhandlungen und mussten in Notquartieren untergebracht werden. Immer wieder kam es zu gewalttätigen Übergriffen der Besatzer auf die Zivilbevölkerung, darunter Erschießungen und Verschleppungen.
Ende August wurde Paul von Hindenburg Befehlshaber der in Ostpreußen stationierten 8. Armee, die in mehreren großen Schlachten bis Februar 1915 die russischen Armeen besiegen und aus Ostpreußen vertreiben konnte. Für die Bewohner der Provinz wurde Hindenburg zum Retter des Landes und später, nach Abdankung des Kaisers, wie ein Ersatzmonarch verehrt.
Sein Erfolg wurde früh national instrumentalisiert: Die erste dieser Schlachten fand südlich von Allenstein statt und wurde später „Schlacht von Tannenberg“ genannt in Erinnerung an die vernichtende Niederlage eines Deutschenordensheeres 1410. So galt die „Schmach“ als beglichen.
Abbildungen:
1.) Aufruf des russischen Kommandanten in Tilsit
2.) Der Umgang russischer Truppen mit den ostpreußischen Zivilisten war sehr unterschiedlich. Viele russische Offiziere waren deutschbaltischer Herkunft, sprachen also deutsch und waren nicht selten mit den adligen Familien Ostpreußens verwandt. Der Umgang war von Respekt und Anstand gekennzeichnet. Ebenso sind aber Willkür und Gewalt in erheblichem Umfang belegt, insbesondere dort, wo Truppenteile ohne Aufsicht agierten.