Herrenhäuser – standesgemäße Wohnsitze und architektonische Perlen

Das Herrenhaus war das kulturelle Zentrum eines Gutsbetriebes und zugleich Mittelpunkt des ländlichen Lebens. Hier wohnte der Gutsherr mit seiner Familie, der über die bis 1819 leibeigenen Esten und Letten bestimmte. In Architektur und Einrichtung ähnelten sie westlichen Vorbildern. Heute sind sie Teil des estnischen und lettischen Kulturerbes.

Die Bauten waren stilistisch vielfältig und reichten vom bescheidenen Holzhaus bis zum prächtigen Schloss. Ihre architektonische Blütezeit erlebten sie in der Zeit des Klassizismus ab den 1780er Jahren bis weit ins 19. Jahrhundert.

Es entstanden Landschaftsparks nach englischen Vorbildern, die dem Ausflug mit Gästen wie auch zur Repräsentation dienten. Letzterer Aspekt spielte auch für die großzügige Innenarchitektur eine Rolle.

Auf den meist weitab liegenden Gutskomplexen waren Einzelbesucher und große Gesellschaften zu Bällen oder Jagden stets willkommene Abwechslung. Die Gastfreundschaft gilt als Merkmal deutschbaltischen Selbstverständnisses.

Heute sind viele Bauten zerstört oder verfallen, andere dank lettischer und estnischer Initiativen wiederhergerichtet und Höhepunkte einer Baltikum-Reise.

Abbildung: 
Der Gutshof von Palmse (Palms) mit barockem Herrenhaus, der repräsentativen Parkanlage sowie den Neben- und Wirtschaftsgebäuden. Zum Gutshaus gehörten auch Ländereien, die oft tausende Hektar umfassten. Foto: Ants Hein.