Korn, Kartoffeln, Klee und Karauschen – das Agrarland Ostpreußen

Ostpreußen besaß kaum Industrie oder Bodenschätze und mit Königsberg lediglich eine Großstadt. Seine Wirtschaft fußte im Wesentlichen auf Land- und Forstwirtschaft, knapp 70 Prozent seiner Landfläche wurde landwirtschaftlich genutzt. Dank seiner vielen Gewässer spielte auch der Fischfang eine wichtige Rolle.

Die Bevölkerungsdichte Ostpreußens lag mit 61 Einwohnern pro Quadratkilometer bei weniger als der Hälfte des Reichsdurchschnitts, in Masuren sogar bei weniger als einem Drittel. Dies hatte zur Konsequenz, dass Güter und Höfe mehr produzierten als in der Provinz verbraucht wurde.

Die alte Dreifelderwirtschaft war inzwischen aufgegeben worden, neben Getreide wurden Kartoffeln, Raps, Klee und Luzerne angebaut. In weiten Teilen Masurens jedoch waren die Böden und damit auch die Erträge schlecht. Bei den Nutztieren, insbesondere Pferden und Rindern, erzielte man durch konsequente Zuchtmaßnahmen hohe Erfolge. Allerdings waren die Ernteeinbrüche nach dem Ersten Weltkrieg gravierend, es dauerte viele Jahre, bis das Vorkriegsniveau wieder erreicht wurde.

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Heukahn in Groß Friedrichsgraben
Besonders in den wasserreichen Gegenden transportierten Fischer und Bauern das als Winterfutter für das Vieh benötigte Heu nicht nur im Leiterwagen, sondern auch übers Wasser. Die für die Heuversorgung der Nehrungsbewohner hoch bepackten Boote waren ein beliebtes Fotomotiv. Foto: Bildarchiv Ostpreußen

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Lokomobile in Mattischkehmen im nordöstlichen Ostpreußen, 1936
Technische Neuerungen hielten auch im ländlichen Raum Einzug: Drillmaschinen erlaubten eine saatgutsparende Aussaat in parallelen Reihen, Dampfmaschinen ersetzten Pferd und Ochse als Antriebskräfte, Dreschkästen erledigten den Getreidedrusch in wenigen Wochen, der zuvor in Handarbeit viele Monate gedauert hatte. Einst feste Hofangehörige wurden teilweise durch saisonale Landarbeiter ersetzt. Große Maschinen konnten sich zunächst aber nur die Güter leisten. Foto: Bildarchiv Ostpreußen