Rinder waren die wirtschaftlich wichtigsten Nutztiere in Ostpreußen. Ihre Milchleistungen lagen 1938 mit pro Kuh knapp 3.100 kg jährlich über dem übrigen deutschlandweiten Durchschnitt von knapp 2.500 kg. Großen Anteil daran hatte die 1882 gegründete Ostpreußische Herdbuchgesellschaft. Sie förderte den Einsatz von schwarzbunten Tieflandrindern und setzte stärker auf Milch- als auf Fleischproduktion. Sie war die größte Rinderzuchtvereinigung Europas. Ostpreußische Rekordkühe lieferten in den 1930er Jahren mehrfach die höchsten Milchleistungen in Deutschland: „Coralle“ und „Fee“ waren mit über 10.000 kg Milch im Jahr - eine noch heute beachtliche Menge - Berühmtheiten.
Die Milch wurde in über 500 Molkereien verarbeitet, die Produkte, vor allem Butter und Käse, fast vollständig ins Reich vermarktet. Berühmt ist der Tilsiter Käse, der auf Mennoniten und auf Schweizer zurückgeht, die als Melker ins Land kamen und in den 1840er Jahren im nördlichen Ostpreußen die ersten Käsereien gründeten.
Abbildung:
Herstellung von Tilsiter Käse in Tilsit, 1930er Jahre
Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-P016202 / Frankl, A. / CC-BY-SA 3.0