Feld und Vieh

Gut zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche wurden als Ackerland, der Rest als Dauergrünland für die Tierhaltung genutzt. Getreide stellte mit fast 55 Prozent den größten Anteil der Ackerprodukte, wobei aufgrund der oft schlechten Böden der anspruchslose Roggen dominierte. Weiterhin wichtig waren Kartoffeln, Rüben, Futterpflanzen und Hülsenfrüchte. Gerade auf Gütern sicherten Schnapsbrennereien wichtige Nebeneinkünfte.

Aus den Wiesen wurde Heu gewonnen, auf den Weiden grasten meist Rinder und Pferde, die hier optimale Bedingungen vorfanden, weshalb Ostpreußen für beide gerühmt wurde. Ein eigener Kaltblutschlag, das Ermländer Pferd, und eine alte Landschafrasse, die Skudde, kamen in Deutschland nur hier vor.

Die kurzen, heißen Sommer und langen schneereichen Winter bewirkten eine äußerst arbeitsverdichtete Saison. Noch in den 1930er Jahren lebten knapp 50 Prozent der Erwerbstätigen Ostpreußens von der Landwirtschaft, fast doppelt so viel wie im Reichsdurchschnitt.

Abbildung:
Auszug der Schnitter, 1920er / 1930er Jahre
Ab den 1930er Jahren erfolgte die Getreideernte vielfach schon mit pferdegezogenen Mähbindern. Das immer seltener werdende Bild der Schnitter mit ihren Sensen blieb aber ein beliebtes, später auch zu touristischen Werbezwecken genutztes Motiv. Im nationalsozialistischen Deutschland wurden die „Grenzlandbewohner“ der „Ostmark“ als ein harter und erdverbundener Menschenschlag propagandistisch überhöht.
Foto: Bildarchiv Ostpreußen