Bedeutende Gutsbetriebe kennzeichnen die Erinnerungen an Ostpreußen. Große Güter funktionierten wie kleine Dörfer und wurden in der Erinnerungsliteratur der Nachkriegszeit oft beschrieben. Eine Besonderheit Ostpreußens stellten die Instleute dar: auf dem Hof lebende Landarbeiterfamilien, die im Gegensatz zu Tagelöhnern in Abhängigkeit von der Erntemenge bezahlt wurden und daher meist viel Einsatz zeigten.
40 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen gehörten zum Großgrundbesitz mit über 100 Hektar Land. Obwohl ihm nur fünf Prozent der Betriebe zuzurechnen waren, lag hier die politische Macht. Gut 50 Güter verfügten sogar über 1.000 Hektar. Ihr Boden war oft fruchtbarer als der bäuerliche Besitz.
Der teils dramatischen Landflucht suchte man mit Siedlungsprogrammen zu begegnen, bei denen unrentable Güter aufgeteilt wurden und günstige Kredite kleine Hofstellen möglich machten. In der Weimarer Republik sank daher der Anteil an Gutsland.
Abbildungen:
1.) Gutshofansicht Groß Bestendorf
Das Bild zeigt die Vielzahl an Mägden und Knechten eines größeren Gutsbetriebes mit seinem hohen Tierbestand und großen Acker- und Waldflächen.
Das sich seit dem 19. Jahrhundert im Besitz der Familie von der Goltz-Domhardt befindliche Groß Bestendorf besaß mehrere Vorwerke und war ein im Oberland, Kreis Mohrungen liegender Großbetrieb und Fideikommissbesitz mit mehreren Tausend Hektar Gesamtfläche. Zum Betrieb gehörten eine Trakehnerzucht, je über 1.000 Rinder, Schweine und Schafe, intensiver Fischfang auf den gutseigenen Teichen und weit über 2.000 Hektar Wald.
Foto: privat
2.) Siedlungshaus
Siedlerhof von Julius Müller und Familie in Göritten, Kreis Stallupönen, am östlichsten Rand von Ostpreußen.
Kleine Siedlerhöfe umfassten nur wenige Hektar Land und wurden meist von nur einer einzelnen Familie bewirtschaftet. Der Tierbestand umfasste neben Geflügel und Ziegen, ein oder zwei Kühe oft nur ein Pferd für die schwere Arbeit, das den ganzen Stolz der Familie darstellte. Vielfach organisierten sich die Siedler in Genossenschaften, die beim Bau des Hauses – oft in günstiger Standardbauweise - und mit Krediten aushalfen.
Foto: Bildarchiv Ostpreußen