Immer wieder haben religiöse Überzeugungen die Politik des Landes wesentlich bestimmt. Die Missionierung der „heidnischen“ Prußen bot dem Deutschen Orden Anlass für Krieg und Eroberung. Als erstes evangelisches Land zog das Herzogtum Preußen Protestanten aus vielen Ländern an. Später gab man sich tolerant, um möglichst viele Menschen anzusiedeln.
„Ostpreußen“ war nie ein religiös einheitliches Land. Auch nach der Zwangstaufe der Prußen erhielten sich einige ihrer Traditionen. Nach Einführung der Reformation im Herzogtum Preußen blieb das zu Polen gehörige Ermland katholisch.
Aber auch die Protestanten waren gespalten. Streit und Unruhe kamen auf, als 1614 die Landesherren zum reformierten Bekenntnis (Calvinismus) wechselten. Der Bevölkerung Preußens war es erlaubt, bei der lutherischen Form des Protestantismus zu verbleiben. Damit wich man von der Regel ab, dass der Glaube des Herrschers auch für die Untertanen zu gelten habe (cuius regio, eius religio). Von dieser Toleranz profitierten in unterschiedlichem Ausmaß auch spätere nichtevangelische Bewohner wie Juden, Mennoniten und altorthodoxe Philipponen aus Russland.
Der Dom zu Königsberg
Abbildung:
Der zwischen 1330 und 1380 errichtete Dom steht auf der Pregelinsel Kneiphof mitten in Königsberg. Er war ab 1525 evangelische Hauptkirche. 1944 wurde der Dom bei Luftangriffen schwer beschädigt, aber auch wegen des dort befindlichen Grabes von Immanuel Kant nie abgerissen. Nach 1990 wurde er wieder aufgebaut und 1998 eröffnet. Er beherbergt Ausstellungen zu Kant und zur Stadtgeschichte, wird aber auch für Konzerte und Gottesdienste genutzt.