Zerstörung und Untergang - der Zweite Weltkrieg in Ostpreußen

Ostpreußen war Aufmarschgebiet der deutschen Wehrmacht sowohl bei ihrem Überfall auf Polen am 1. September 1939 als auch auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941. Hitler bezog in der „Wolfsschanze“ bei Rastenburg sein „Führerhauptquartier“. Dieser sogenannte Ostfeldzug war ein erklärter Vernichtungskrieg, der „Lebensraum im Osten“ schaffen sollte und den Tod von Millionen „Slawen“ – wie Polen und Russen – vorsah. Nach der Besetzung der polnischen und litauischen Anrainergebiete beteiligten sich auch ostpreußische Gestapo- und Polizeieinheiten an Verbrechen gegen dortige Zivilisten, vor allem Juden. Ziel war die Auslöschung der gesamten jüdischen Bevölkerung in den eroberten Gebieten.

Die ostpreußische Zivilbevölkerung blieb von Kriegshandlungen zunächst verschont. Lebensmittel waren rationiert. Die Abwesenheit der meisten Männer im wehrfähigen Alter versuchte man mit dem Einsatz Tausender Kriegsgefangener gerade in der Landwirtschaft auszugleichen.

Erst Ende August 1944 wurde Königsberg durch britische Luftangriffe schwer zerstört. Im Oktober erfolgte ein erster Vorstoß der Roten Armee über die Grenze, ab Januar 1945 wurde die Provinz rasch besetzt. Die Eroberung ging einher mit Gewaltakten gegen die Zivilbevölkerung, der eine rechtzeitige Evakuierung untersagt worden war. Königsberg kapitulierte nach langen verheerenden Kämpfen am 9. April 1945.

Abbildungen:
1.) Polnische Kriegsgefangene in Ostpreußen im September 1939. Die deutsche Propaganda bestimmte das Foto zur Verwendung gegenüber dem Ausland. Die abgebildeten Brotberge sollten eine gute Ernährung der Gefangenen weismachen. Tatsächlich aber war die Versorgung katastrophal. Allein im Lager Stalag I bei Hohenstein im Kreis Osterode kamen etwa 55.000 Kriegsgefangene ums Leben. Foto Bundesarchiv

2.) 

Das brennende Königsberg, Foto von Fritz Krauskopf, August 1944

In den Nächten auf den 27. und auf den 30. August 1944 griffen hunderte Bomber der britischen Royal Air Force die ostpreußische Hauptstadt an. Das dicht bebaute historische Zentrum wurde durch Spreng- und Brandbomben fast vollständig zerstört. Das Schloss, der Dom, viele weitere Kirchen, die alte und die neue Universität, auch das malerische Speicherviertel, fielen den Flammen zum Opfer. Etwa 200.000 Königsberger wurden durch die Bombenangriffe obdachlos, vermutlich mehr als 5.000 kamen ums Leben.
Foto: Bundesarchiv