Städte wie Riga, Reval/Tallinn und Dorpat/Tartu waren in ihrer Anlage von mittelalterlich-hansischen Strukturen geprägt. Gilden und Zünfte des weitgehend deutschen Bürgertums bestimmten bis weit ins 19. Jahrhundert hinein das städtische Leben.
Nach dem Rückgang durch Krieg und Pest zu Beginn des 18. Jahrhunderts erneuerte und vergrößerte eine ständige Zuwanderung von deutschen Kaufleuten, Handwerkern, Künstlern und später auch Akademikern die Bevölkerung in den baltischen Städten. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts waren sie zur Hälfte oder gar überwiegend von Deutschen bewohnt. Esten, Letten und andere Bewohner wurden teilweise von der deutschen Bevölkerung assimiliert.
Kunst und Kultur lebten auf, und die Wissenschaft wurde maßgeblich durch die Universität Dorpat, des „nordischen Heidelbergs“, gefördert.
Bauernbefreiung und Gewerbefreiheit führten vor allem zusammen mit der Industrialisierung gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu einem enormen Anstieg der Stadtbevölkerung und einem anteiligen Rückgang der deutschen Bewohner.