Mittelalterliche Netzwerke - die Gilden der Kaufleute und Handwerker

Schon im Mittelalter entstanden „Gilden“, die für Jahrhunderte zu den wichtigsten Zusammenschlüssen deutscher Kaufleute und Handwerker nicht nur in Livland zählten. Sie dienten der Geschäftsanbahnung und Interessenswahrung ebenso wie der Geselligkeit und Wohltätigkeitszwecken. Zudem ging aus den Gilden der Rat der Stadt hervor.

In der Großen Gilde in Riga sammelten sich die Kaufleute, während sich die in Zünften organisierten Handwerker wie Tischler oder Fleischer in der Kleinen Gilde vereinten. Die Mitgliedschaft war für jeden Meister, der ein Gildehandwerk betrieb, verpflichtend.

Riga, Reval und Dorpat besaßen mit der Schwarzhäuptergilde einen Bund unverheirateter Fernkaufleute. Zu ihren Aufgaben gehörte auch die Stadtverteidigung oder das Ausrichten von Festen.

Die in ihren Traditionen erstarrten Gilden verloren Ende des 19. Jahrhunderts mit der Gewerbefreiheit in den Ostseeprovinzen ihre Bedeutung, denn damit wurde der freie Wettbewerb ermöglicht, der auch für die aus den Gilden ausgeschlossenen Esten und Letten galt.