Städtisch gleich ständisch? Hierarchien in der Stadt

Das Bürgertum in den Städten des Mittelalters war ständisch organisiert: Neben dem Adel bildeten deutsche Bürger Gilden und den Rat, sie stellten die Kaufmannschaft und die meisten Handwerker. Die damals „undeutsch“ genannten Esten und Letten machten die untere soziale Schicht aus. Sie waren rechtlich keine Stadtbürger, besaßen keinen Grundbesitz und wohnten meist außerhalb.

Mit der Zeit entstand jedoch eine Schicht, die weder der deutschen noch der „undeutschen“ Seite zuzuordnen war. Durch Assimilation, besonders dem Erlernen der deutschen Sprache, war sozialer Aufstieg möglich.

Zu den Stadtbewohnern gehörten auch die nach der Reformation eingewanderten „Literaten“ – Akademiker, die die Grundlage für ein deutschsprachiges Bildungsbürgertum im Baltikum bildeten.

Ende des 19. Jahrhunderts veränderte sich der Charakter der Städte: In Riga verfünffachte sich die Einwohnerzahl zwischen 1867 und 1913 auf 500.000. Der Anteil der deutschsprachigen Bevölkerung sank von 43 auf 17 Prozent.