Englische Kaufleute importierten nach 1700 Luxusgetränke wie Kaffee und Tee ins Baltikum. Auch die Nutzung silberner Kannen ahmte britische Moden nach und löste das alte Zinngeschirr ab. Fayencen (glasierte Keramiken) führte man zunächst aus Schweden und Deutschland ein; Ende des 18. Jahrhunderts wurde auch in Reval eine Manufaktur gegründet. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden in Riga Porzellanmanufakturen, nachdem zuvor das neue edle Material aus Deutschland und St. Petersburg importiert worden war.
Ab 1800 wurden auch russische Tischsitten übernommen: Beliebt wurde die „Warenje“, eine flüssige Beerenmarmelade zum Süßen des Tees. Für die Teebereitung nutzte man den Samowar, man aß Piroggen (Teigtaschen) und Rossolje (roter Heringssalat). Das Vorbild der Kultur des Zarenhofes im nahen St. Petersburg, der seinerseits von westeuropäischen Vorbildern abhing, machte sich im 19. Jahrhundert langsam bemerkbar.
Abbildung:
Herrenhaus Neu-Riesenberg (Uue-Riisipere), Speisesaal mit festlich gedeckter Tafel und einem Diener, der das herrschaftliche Ambiente unterstreicht. Foto vor 1921.
Herder-Institut, Marburg, Bildarchiv.