Teurer Tilsiter – Wirtschaftskrisen in der Weimarer Republik

Auch nach 1920 blieb Ostpreußen ein Agrarland mit wenig Bodenschätzen oder Industrie. Der Verkauf wesentlicher Produkte wie Getreide sowie der wichtige Ost-West-Handel wurden durch die neue Insellage der Provinz stark erschwert. Zahlreiche Betriebe Ostpreußens gerieten in die Krise und verschuldeten sich. Die Regierung half mit Förderprogrammen.

Die junge Weimarer Republik wurde von der Hyperinflation 1923 und der Weltwirtschaftskrise von 1930 hart getroffen. Viele Menschen, besonders Arbeitslose, durchlebten eine katastrophale Notlage ohne nennenswerte soziale Absicherung. Die Erzeugerpreise für Nahrungsprodukte brachen ein. Dies trieb gerade in Agrargebieten wie Ostpreußen viele Betriebe in die Insolvenz. Die Landflucht blieb hoch.

Das Land litt zudem unter einer Absatzkrise: Der Vertrieb durch den „polnischen Korridor“ in das abgetrennte Reich war kompliziert. Der Grenzübertritte vermeidende Seeweg über die Ostsee verlängerte allerdings Wege und Lieferzeiten. Dies verteuerte ostpreußische Exportwaren wie Butter und (Tilsiter) Käse, die zuvor erfolgreich in Berlin und anderen deutschen Städten vermarktet worden waren.

Abbildung:
Ostpreußisches Notgeld, sogenannte ‚Serienscheine‘
Vor Beginn der Hyperinflation 1923 lag der Nominalwert selten über 10 Mark, die aufwendige Gestaltung zog aber aufgrund ihrer vielfach starken Sammlernachfrage – ganz ähnlich wie bei Briefmarken - einen Mehrwert für die ausgebende Stelle nach sich. Oft sind die Geldscheine aufwendig künstlerisch gestaltet, teilweise als farbenfrohe Drucke ausgeführt, teils in Form von Fotoserien, die den Ort oder die Umgebung zeigen.