Zeitenwende: Bodenreformen in Estland und Lettland

Der Erste Weltkrieg (1914–1918) ging im Baltikum nahezu nahtlos in Unabhängigkeitskriege über. Auf dem Gebiet der russischen Provinzen Estland, Livland und Kurland entstanden die Staaten Estland und Lettland. Zu ihren ersten Maßnahmen zählten Bodenreformen: die Umverteilung von Landbesitz. In Estland wurde 1919, in Lettland 1920 der Großgrundbesitz enteignet, verstaatlicht und teils neu vergeben. Zum einen wurde so die Macht des Adels auf dem Land gebrochen, zum anderen vielen Bürgern der neuen Staaten erstmals zu eigenem Landbesitz verholfen.

Dies traf vor allem deutschbaltische Adlige, die allein in Estland bis 1924 knapp 2 Millionen Hektar verloren, etwa 44 Prozent des gesamten Staatsgebiets. Auch estnische, russische und reichsdeutsche Großgrundbesitzer wurden enteignet. Entschädigungen wurden gezahlt, erreichten aber nicht annähernd die enteigneten Werte. Gewinner waren vor allem Landlose, ehemalige Pächter und Veteranen der Unabhängigkeitskriege.

Abbildungen:
1.) Karte Güterbesitz von Nolcken im Kreis Dorpat

2.) Karte Güterbesitz von Nolcken im Kreis Dorpat
Beispiel: Besitz der deutschbaltischen Adelsfamilie von Nolcken im Kreis Jurjew/Tartu, vormals Dorpat, vor der estnischen Bodenreform 1919
DSHI 120 OL Münnich-Nolcken 228; Vorlage Herder-Institut Marburg