Die rasanten und dramatischen Veränderungen im 19. Jahrhundert – Industrialisierung und die damit verbundenen technischen und sozialen Umwälzungen – prägten auch Ostpreußen, verliefen hier aber langsamer. Die weiterhin landwirtschaftlich geprägte Provinz blieb politisch und gesellschaftlich konservativ.
Nach dem Sieg über Napoleon erfolgte eine Neuordnung Europas. Einen polnischen Staat gab es weiterhin nicht. West- und Ostpreußen wurden bis 1877 zur „Provinz Preußen“ zusammengelegt. Die rechtliche Sonderrolle der Provinz blieb bestehen - sie gehörte nicht dem neu gegründeten „Deutschen Bund“ an. Dies änderte sich erst nach 1866 mit dem „Norddeutschen Bund“ und 1871 bei Gründung des Deutschen Reiches.
Fortschritte im Verkehrswesen - befestigte Straßen und besonders die Eisenbahn - sowie der Wegfall preußischer Binnenzölle ließen den Handel aufblühen. Ostpreußen exportierte in großem Umfang Agrarprodukte. Insgesamt verlor die Region aber an Bedeutung. Die neuen aufstrebenden Kultur- und Wirtschaftszentren Preußens lagen in Berlin, im Ruhrgebiet und in Oberschlesien.
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Anton von Werner: Die Proklamierung des Deutschen Kaiserreichs am 18.1.1871, 1882
170 Jahre nach der preußischen Königskrönung in Königsberg wurde Wilhelm I. in Versailles im Verlauf des Deutsch-Französischen Kriegs zum Deutschen Kaiser gekrönt. Ostpreußen mit seinen masurisch / polnisch und litauisch sprechenden Grenzgebieten wurde erst damals formal „deutsch“.