Auf nach Amerika!

Im 19. Jahrhundert wanderten viele Ostpreußen nach Amerika ins „verheißene Land“ ohne König und Kirche aus. Ebenso trieb es sie in das Ruhrgebiet, wo das Los der Industriearbeiter zwar nicht leicht war, aber sich Arbeit finden ließ, die zudem besser bezahlt wurde. Gelsenkirchen etwa entwickelte sich zum Zentrum polnisch sprechender, evangelischer Masuren.

Neben einem hohen Geburtenüberschuss waren die Agrarreformen ein Auslöser dieser Wanderungen. Bauern und Gutsbewohner wurden von persönlichen Abhängigkeiten und Dienstpflichten befreit. Endlich waren freie Orts- und Berufswahl erlaubt. Allerdings mussten sie den Gutsherren entschädigen, meist mit Land. Viele Hofstellen schrumpften so stark, dass sie verkauft werden mussten - aus Bauern wurden Tagelöhner. Auch entfielen nun die Schutzpflichten des Gutsherrn für seine Bauern, etwa bei Missernten, Seuchen, Blitzschlag oder Krankheit. Die Arbeitslosigkeit war hoch – Auswanderung erschien Vielen als einzige Perspektive.

Abbildung:
Käthe Kollwitz – Nachdenkende Frau, 1920
Mit den Reformen wurden bäuerliche Familien selbständige Unternehmer und arbeiteten auf eigenes Risiko. Fallende Getreidepreise führten rasch zum Zwangsverkauf des Hofes. Die Armut der Unterschichten wurde verschärft durch die Mechanisierung, denn sie verdrängte ländliches Nebengewerbe wie die Leinenweberei, die ihren Beitrag zum Gesamteinkommen kleinbäuerlicher Schichten geleistet hatte.