Ostpreußen unter Dampf

Technische Innovationen waren für die Menschen im 19. Jahrhundert einschneidend. Straßenbau und mehrere Eisenbahnlinien förderten nicht nur den Handel, sondern verkürzten auch Reisezeiten und Postwege – die Abgeschiedenheit Ostpreußens minderte sich zunehmend.

Sehr spät, erst 1828, wurde die erste befestigte Chaussee („Kunststraße“) zwischen Frauenburg und Königsberg fertiggestellt.

Mit der „Preußischen Ostbahn“ verkürzte sich die Reisezeit zwischen Berlin und Königsberg 1867 auf gut 13 Stunden. Früher hatten Reisende für die gut 600 Kilometer lange Strecke noch viele Tage benötigt. Dank der Eisenbahn wurde der Warentransport unabhängig vom Straßenzustand oder dem Wasserstand der Flüsse: Der Handel mit den Staaten des Deutschen Bundes wuchs rasch. Bislang kostspielige Konsumgüter wurden so erschwinglich. In Handwerk und Landwirtschaft änderte sich das Arbeitsumfeld, neue Berufe entstanden, traditionsreiche alte verschwanden. Die sozialen Folgen waren oft weitreichend.

Abbildungen:
1.) Am oberländischen Kanal, um 1880
Auf dem von 1844 bis 1860 erbauten Oberländischen Kanal wurden ganze Schiffe über Schienen auf geneigten Ebenen transportiert und so Schleusen ersetzt. Ausschließlich mit Wasserkraft betrieben galt er als technisches Wunderwerk und erleichterte den Holztransport an die Ostsee enorm. Die Einführung der Eisenbahn reduzierte seine wirtschaftliche Bedeutung. Er ist bis heute im Betrieb und ein touristischer Höhepunkt jeder Masurenreise.

2.) Walter Busch, Bahnhofsszene in Eydtkuhnen an der preußisch-russischen Grenze, um 1880
Die Beschleunigung des Personen- und Warenverkehrs machte Ostpreußen endgültig zur Ost-West-Brücke. 1837, knapp zehn Jahre nach ihrer Eröffnung, war die spätere Reichstraße 1 von Königsberg nach Eydtkuhnen verlängert worden. Der Bau der Ostbahn ging noch schneller: 1853 Fertigstellung bis Königsberg, 1860 Eröffnung des Bahnhofs Eydtkuhnen.