Wer sind die Deutschbalten?

So bezeichnen sich die Nachkommen jener Deutschen, die sich seit dem späten 12. Jahrhundert im Gebiet des heutigen Estland und Lettland niederließen. Bis zur 1939 erfolgten so genannten Umsiedlung nahmen die Deutschbalten über Jahrhunderte wesentlichen Einfluss auf die dortigen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse.

 Esten und Letten wurden vom deutschen Adel und dem gehobenen Bürgertum dominiert, denen spätere Landesherren wichtige Privilegien gewährten. So konnten die Deutschbalten ihre führende gesellschaftliche Stellung bewahren, obwohl sie nie mehr als 10 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachten.

Nach Unruhen, Revolution und Enteignung wanderten ab 1905 viele ins Deutsche Reich ab. Infolge des Hitler-Stalin Paktes wurden die meisten Deutschbalten 1939/41 in das besetzte Polen, vor allem in den „Warthegau“ umgesiedelt. Damit endete die mehr als 700jährige Geschichte der Deutschen im Baltikum.

Heute pflegen die Deutschbalten vielfältige Kontakte nach Estland und Lettland und wirken auch institutionell im kulturellen und kirchlichen Bereich sowie im Jugendaustausch mit.

Abbildungen:
Heinz Erhardt (1909-1979), berühmter Komiker, Schauspieler, Dichter und Unterhaltungskünstler. Foto: © Heinz Erhardt Privatarchiv

Werner Bergengruen (1892-1964), Schriftsteller. Foto: Werner-Bergengruen-Archiv

Adam Johann von Krusenstern (1770-1846), Admiral der russischen Flotte, der die erste russische Weltumseglung durchführte. Porträt eines unbekannten Künstlers aus der Sammlung der Eremitage St. Petersburg, 1. Hälfte des 19. Jh.

Elisa von der Recke (1754-1833), Dichterin und Schriftstellerin, hier als Porträt von Josef Friedrich August Darbes, Berlin, 1784. Foto: © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Reproduktion Oliver Ziebe, Berlin