Adel-Bürgerlichkeit „... die Disharmonie, die im Volke stattfindet, aufzuheben“ – vom preußischen Untertan zum Staatsbürger 104 Z.

Im 19. Jahrhundert wandelte sich die streng gegliederte ständische Gesellschaft des Absolutismus in Richtung einer modernen Zivilgesellschaft. Frankreichs Erfolge nach der Revolution 1789 belegten die Vorteile patriotisch denkender Bürger gegenüber abhängigen Untertanen.

Während der Krisenzeit nach 1806 setzten sich am preußischen Hof die von Aufklärung und Liberalismus beeinflussten Reformer durch. Sie leiteten Maßnahmen ein, die gerade im ländlichen Ostpreußen viel Widerspruch hervorriefen, aber sein gesellschaftliches Gefüge rasant veränderten. Adlige Grundbesitzer etwa durften nun bürgerliche Gewerbe betreiben, Bürgerliche wiederum Güter erwerben.

Auch die von nationalem Überschwang gekennzeichneten „Befreiungskriege“ gegen Napoleon reduzierten Standesgrenzen. Die Mobilisierung war von einem volkstümlichen Charakter geprägt, so dass auch Bürgerliche - wenngleich selten - als Offiziere dienten. Mit dem „Eisernen Kreuz“ wurde ein Orden eingeführt, der allen Dienstgraden zugänglich war.

Abbildung:
Max Kaehler, Gutshaus Wogenab bei Elbing, 1857
Die romantische Grundströmung dieser Zeit verklärte eine scheinbar heile und stabile, längst vergangene Welt. Die reformbedingten Veränderungen der gesellschaftlichen Strukturen dagegen waren gerade im ländlichen Raum besonders tiefgreifend. Die Güter arbeiteten stärker gewinnorientiert, Maschinen ersetzten die traditionelle Handarbeit, moderne Anbau- und Zuchtmethoden erhöhten den Ertrag. Unrentable Betriebe unterlagen hingegen raschen Besitzerwechseln.

Titelzitat: Aus dem „Politischen Testament“ des Freiherrn von Stein 1808, mitformuliert von Theodor von Schön.